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Mit allen Turnschuhen auf dem Boden geblieben Keine blöden Scheißer: Interview mit Sportfreunde Stiller Auf dem Gästebuch ihrer Homepage müssen sich die Sportfreunde Stiller neben überschwenglichem Lob in letzter Zeit auch böses Geschimpfe anhören. Der Grund: Erfolg. Seit die spaßige Band aus München, die in den ersten Jahren ihrer Karriere eher ins Guiness-Buch der Rekorde (für Livepräsenz) denn in die Hitparaden strebte, beim Major-Label Motor Music unter Vertrag ist, durch Sendungen bei VIVA und MTV hüpft und als Folge der massiven Marketing-Maschine nun sogar die Charts erreicht hat, befüchten wahre Undergroundler Ausverkauf, Arroganz und Abheben bei Sänger Peter, Basser Rüdiger und Trommler Flo. "Ihr blöden Scheißer mit eurem blöden Ach-wie-großartig-Geschwätz", "Kommerz versaut den Charakter der Band und auch die Fans werden primitiver", "Diese Scheiß-MTV-Vermarktung macht super viel kaputt", "die Seele ans `Bussi´-ness verscherbeln" heißen die Anschuldigungen. Abgesehen davon, dass man ohne die Massenmedien auf Dauer wohl schwer über Schülerband-Niveau hinaus kommt, können wir Entwarnung geben: Beim Interviewtermin gaben sich die Drei so natürlich, bescheiden, unabgehoben und mit allen Turnschuhen auf dem Boden der Tatsachen wie wenige andere Bands. Als wir uns treffen, begeistern sie sich erstmal über unser T-Shirt, erinnern sich genau an ihren Auftritt im Wiesbadener Schlachthof und folgen später unserem Abendessen-Tipp zum Thailänder (wofür der Techniker der Band allerdings leider mit einer Magenverstimmung büßen muss, wie später im Tourtagebuch nachzulesen ist). Und sie freuen sich, dass wir anstatt ins Nachtleben, wo das ausverkaufte Konzert stattfindet, aus Versehen erstmal zu der viel größeren Batschkapp gefahren sind: "Das ehrt uns aber, dass ihr uns das zutraut," reagiert Rüde auf die Begründung für unsere Verspätung. Zum Interview laden uns die Sportfreunde in ihren Tourbus ein, "wenn ihr den Gestank aushaltet". Da ziehen wir angesichts des Hochsommer-Wetters doch den großen Platz an der Konstablerwache vor, wo unsere Nasen allerdings auch nicht gerade verwöhnt werden. Sei´s drum, wir wollen hören und nicht riechen. Das Interview beginnt schließlich mit dem Bekunden der großen Freude über den Einzug des "großen TSV 1860 München" in die Chamipins League, wobei über die Meisterschaft dieses "komischen roten Vereins" eine leise Träne geflossen sei (Sänger Peter, der einzige Bayern-Fan des Trios, kommt erst später dazu!). Bei der WM 98 haben die Sportfreunde mal wegen eines Auftritts das Halbfinal-Spiel Deutschland-Kroatien verpasst. Der Veranstalter hatte das Spiel zwar netterweise extra für "die Stillers" aufgezeichnet, aber dann gleich nach dem Auftritt das Ergebnis verkündet. Da war die Spannung natürlich raus. Spannend bleibt die Zukunft der Sportfreunde und unsere Idee, ihre Einstellung zu möglichen karrierefördernden Ideen der Plattenfirma abzufragen, entlarven sie gleich: "Das werdet ihr uns dann in zwei Jahren vorhalten und sagen, ihr habt ja das und das doch gemacht". Also stellen sie schon mal kategorisch und unüberprüfbar klar: "Wir würden gar nichts machen, was wir Scheisse finden." "Heimatlied" heisst die neueste Single der Sportfreunde. Heimat ist für sie selbst, daran lässt trotz Umdeutungsversuche mancher Journalisten der Song auch keinen Zweifel, vor allem in einem drin. Aber auch ihre geografische Heimat mögen die. Das einzige, was sie an Bayern wirklich stört, ist die Regierung, aber "über seine Regierung regt man sich eigentlich immer auf," hat Flo erkannt und Rüde ergänzt: "Wenn mich mehr stören würde als mir gefällt, würde ich halt weggehen, also mei." Sportfreundliche Logik, die auch die meisten Songs der Drei auszeichnet: einfach, leicht und überzeugend. So stört es sie auch nicht, wenn sie jetzt nicht mehr nur wegen ihrer Musik gemocht werden, sondern nach entsprechender BRAVO-Berichterstattung vielleicht auch nur, weil sie "sooo süß" sind. "Die Mädels sollen in unsere Konzerte kommen, dann merken sie dass wir richtig harte Holzfällerburschen sind," lacht Rüdiger. Sänger Peter hatte vorher in einem Radiointerview gesagt, dass ihm das Attribut "cool" schon lieber sei als "süß". Die Sportfreunde Stiller sind nicht nur wirklich Sportler, sondern auch wirklich Freunde. Wenn sie sich im Interview gegenseitig als Deppen und Idioten bezeichnen, ist das wohl lieb gemeint. Nur in einem werden die Drei ihrem Bandnamen nicht gerecht: Sie sind nicht stiller, sondern lauter als die meisten anderen Bands. © 2000 by poms.- pop-medien-service, Taunusstein |
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